St. Josefen (Transkription Nr. 1166)

Schulort St. Josefen
Konfession des Orts: Katholisch
Signatur der Quelle: BAR B0 1000/1483, Nr. 1458, fol. 351-352v
Standort: Bundesarchiv Bern
Kanton 1799: Säntis
Distrikt 1799: Gossau
Agentschaft 1799: St. Josefen
Kirchgemeinde 1799: St. Josefen
Ort/Herrschaft 1750: Fürstabtei St. Gallen
Kanton 2015: St. Gallen
Gemeinde 2015: Gaiserwald
In dieser Quelle wird folgende Schule erwähnt:
  • St. Josefen (Niedere Schule, katholisch)
20.02.1799

ANTWORTEN
über die Fragen des Zustandes, der Schule in St. Josephen.

I. Lokal-Verhältnisse.
I.1Name des Ortes, wo die Schule ist.

Der Ort wo die Schule ist, heißt das Dörflein St. Josephen, nächst bey der Kirche.

I.1.aIst es ein Stadt, Flecken, Dorf, Weiler, Hof?

Es ist ein Dörflein von 9 Häußern.

I.1.bIst es eine eigene Gemeinde? Oder zu welcher Gemeinde gehört er?

Es ist eine eigne Gemeine.

I.1.cZu welcher Kirchgemeinde (Agentschaft)?

Es gehört zur Kirchengemeine St. Josephen, Gaiserwald, Agentschaft dieses Orts.

I.1.dIn welchem Distrikt?

Distrikt Goßau.

I.1.eIn welchen Kanton gehörig?

Kanton Sentis.

I.2Entfernung der zum Schulbezirk gehörigen Häuser. In Viertelstunden.

Die entfernnung der zum Schulbezirke gehörigen Häußer sind: Jm Unkreise einer Viertelstunde 72. der zweyten 14. der dritten 6 Häußer.

I.3Namen der zum Schulbezirk gehörigen Dörfer, Weiler, Höfe.

Nämen die zum Schulbezirke gehören, auch die Entfernnung jedes Orts, b die anzahl der Schulkinder, und die dazu fähende.
* 1. Abtwil, ein Dorf. 29. Häußer 14. Schüler 19. Kinder die zur Schul fähig 1/8. Stunde
2. Beüzenhaus 3. Häußer 2. Schüler 2. Kinder die zur Schul fähig 1/2. Stunde
3. Drakenloch 3. Häußer 2. Schüler 2. Kinder die zur Schul fähig 0. Stunde
4. Etschberg 4. Häußer 1. Schüler 6. Kinder die zur Schul fähig 3/4. Stunde
5. Gießen 4. Häußer 2. Schüler 4. Kinder die zur Schul fähig 1/2. Stunde
6. Grim 3. Häußer 2. Schüler 3. Kinder die zur Schul fähig 1/2. Stunde
7. Halten 4. Häußer 2. Schüler 5. Kinder die zur Schul fähig 1/2. Stunde
8. Heüßlen 3. Häußer 0. Schüler 2. Kinder die zur Schul fähig 1/4. Stunde
9. Hüten 4. Häußer 1. Schüler 1. Kinder die zur Schul fähig 0. Stunde
10. Lehn 4. Häußer 0. Schüler 3. Kinder die zur Schul fähig 1/2. Stunde
11. Loch 2. Häußer 0. Schüler 0. Kinder die zur Schul fähig 1/4. Stunde
12. Meldeg 4. Häußer 0. Schüler 2. Kinder die zur Schul fähig 1/2. Stunde
13. Mosmüle 1. Häußer 0. Schüler 0. Kinder die zur Schul fähig 1/8. Stunde
14. Rüti 6. Häußer 4. Schüler 7. Kinder die zur Schul fähig 1/4. Stunde
15. St. Josephen. 9. Häußer 4. Schüler 4. Kinder die zur Schul fähig 0. Stunde
16. Spiserswis. 1. Häußer 2. Schüler 2. Kinder die zur Schul fähig 1/4. Stunde
17. Steineg. 1. Häußer 0. Schüler 2. Kinder die zur Schul fähig 3/4. Stunde
18. Stag. 2. Häußer 0. Schüler 0. Kinder die zur Schul fähig 0. Stunde
19. Spiseg. 1. Häußer 0. Schüler 1. Kinder die zur Schul fähig 1/8. Stunde
20. Sehnheüßlen 2. Häußer 0. Schüler 2. Kinder die zur Schul fähig 3/4. Stunde
21. Tonisberg. 2. Häußer 1. Schüler 1. Kinder die zur Schul fähig 3/4. Stunde
22. Weihnachthalden 2. Häußer 1. Schüler 1. Kinder die zur Schul fähig 3/4. Stunde
Suma — 94. Häußer 38. Schüler 70. Kinder die zur Schul fähig **
NB: hier ist also zu bemerken: daß 38 von 70 Schulfähige Kinder die Schule besuchen.

I.3.aZu jedem wird die Entfernung vom Schulorte, und
I.3.bdie Zahl der Schulkinder, die daher kommen, gesetzt.
I.4Entfernung der benachbarten Schulen auf eine Stunde im Umkreise.
I.4.aIhre Namen.

||[Seite 2] Benachbarte Schulen sind:
Bruggen 1 Stund, Engelburg, und Straubenzel 3/4 von hier

I.4.bDie Entfernung eines jeden.
II.10Sind die Kinder in Klassen geteilt?

Schüler sind in keine Klaße eingetheilt.

II. Unterricht.
II.5Was wird in der Schule gelehrt?

Jn der Schule wird gelehrt: Lesen gedruktes, und geschriebnes — Schreiben — Rechnen — auch Religions-Unterricht.

II.6Werden die Schulen nur im Winter gehalten? Wie lange?

Die Schule wird gehalten vom 11ten Wintermonat, bis Ende Aprils

II.7Schulbücher, welche sind eingeführt?

Schulbücher sind: das sogennannte St. Gallische Namen Büchlein — Katechismus — Evangelien — und auch zur lesung verschiedene taugliche Bücher.

II.8Vorschriften, wie wird es mit diesen gehalten?

Vorschriften bestunden aus 1/4 und 1/2 Bögen darinn enthält einige Verse, aus dem alten, oder neuen Bundes.

II.9Wie lange dauert täglich die Schule?

Die Schule dauert täglich 4 1/2 Stunde.

III. Personal-Verhältnisse.
III.11Schullehrer.
III.11.aWer hat bisher den Schulmeister bestellt? Auf welche Weise?

Den Schullehrer hat bestelt: Officialis von St. Gallen. bis anno 1797. Von da haben mich die Gemeinds-Hausväter an der jährlichen Gemeinds Versamlung, und seithero bestättet.

III.11.bWie heißt er?

Joseph Graf.

III.11.cWo ist er her?

Von St. Josephen.

III.11.dWie alt?

30 Jahr alt.

III.11.eHat er Familie? Wie viele Kinder?

Ein Kind, und ein junge Frau.

III.11.fWie lang ist er Schullehrer?

Schullehrer 14. Jahre.

III.11.gWo ist er vorher gewesen? Was hatte er vorher für einen Beruf?

Vorher ware ich Gehilfe meines Vaters Selig der damals Schullehrer gewesen ist.

III.11.hHat er jetzt noch neben dem Lehramte andere Verrichtungen? Welche?

||[Seite 3] Neben dem Lehramte habe ich in der Kirche zu verrichten: Vorbethen — Vorsingen — Religions-Unterrichte und Aufsicht über die Kinder.

III.12Schulkinder. Wie viele Kinder besuchen überhaupt die Schule?

Kinder besuchen die Schule mehrtheils von 30. bis 50. nachdem die Witterung ist.

III.12.aIm Winter. (Knaben/Mädchen)

Jm Winter — alzeit mehr Knaben, als Mädchen.

III.12.bIm Sommer. (Knaben/Mädchen)

Jm Sommer ist keine Schule.

IV. Ökonomische Verhältnisse.
IV.13Schulfonds (Schulstiftung)
IV.13.aIst dergleichen vorhanden?

Es ist eine gestiftete Schule.

IV.13.bWie stark ist er?
IV.13.cWoher fließen seine Einkünfte?
IV.13.dIst er etwa mit dem Kirchen- oder Armengut vereinigt?
IV.14Schulgeld. Ist eines eingeführt? Welches?

Schulgeld ist keines eingeführt.

IV.15Schulhaus.

Schulhaus ist keines, die Schule wird in meinem Hause gehalten, und ohne Zins.

IV.15.aDessen Zustand, neu oder baufällig?
IV.15.bOder ist nur eine Schulstube da? In welchem Gebäude?

Schulhaus ist keines, die Schule wird in meinem Hause gehalten, und ohne Zins.

IV.15.cOder erhält der Lehrer, in Ermangelung einer Schulstube Hauszins? Wie viel?
IV.15.dWer muß für die Schulwohnung sorgen, und selbige im baulichen Stande erhalten?
IV.16Einkommen des Schullehrers.
IV.16.AAn Geld, Getreide, Wein, Holz etc.

An Geld vierzig Gulden, welches ich jährlich von geistlichen Fiscalis zu st. Gallen empfangen habe.
Dieses sind die Einkünfte eines hießigen Schullehrers — Viele und große Beschwärniße! Aber wenige Besoldung!

IV.16.BAus welchen Quellen? aus
IV.16.B.aabgeschaffenen Lehngefällen (Zehnten, Grundzinsen etc.)?
IV.16.B.bSchulgeldern?
IV.16.B.cStiftungen?
IV.16.B.dGemeindekassen?
IV.16.B.eKirchengütern?
IV.16.B.fZusammengelegten Geldern der Hausväter?

Es ist dieses Kapitalien von den Hausvätern zusamen gelegt worden nämlich 1000. Gulden — 40 davon hat ein jewilliger Schullehrer (wie gemelt) bekommen. 5. seind zur Schule Engelburg, seit vor ungefähr 28 Jahren. Vom Officialis zu St. Gallen bestimmt worden. Die übrige 5 fl. haben Selbe verwendet, (weis nicht) dieses Kapitalien ware Ehmals unter den Händen der Gemeinds-Richtern, So nach und nach unter der Herrn-Gewalt, welches sie gwalthätiger Weise zugezogen haben, verwandelt — Ehnder, und bevor, ein hiesiger Schullehrer unter das Herren-Joch gekomen ist, hate er 50 Gulden jährlich. einkommen.

IV.16.B.gLiegenden Gründen?
IV.16.B.hFonds? Welchen? (Kapitalien)

Es ist dieses Kapitalien von den Hausvätern zusamen gelegt worden nämlich 1000. Gulden — 40 davon hat ein jewilliger Schullehrer (wie gemelt) bekommen. 5. seind zur Schule Engelburg, seit vor ungefähr 28 Jahren. Vom Officialis zu St. Gallen bestimmt worden. Die übrige 5 fl. haben Selbe verwendet, (weis nicht) dieses Kapitalien ware Ehmals unter den Händen der Gemeinds-Richtern, So nach und nach unter der Herrn-Gewalt, welches sie gwalthätiger Weise zugezogen haben, verwandelt — Ehnder, und bevor, ein hiesiger Schullehrer unter das Herren-Joch gekomen ist, hate er 50 Gulden jährlich. einkommen.

Bemerkungen
Schlussbemerkungen des Schreibers
Unterschrift

Republikanischer Gruß.
St. Josephen, den 20ten Hornung, anno 1799.
Bürger Joseph Graf Schullehrer.

Zitierempfehlung: